Wege durch den Fort- und Weiterbildungs-Dschungel

4 Begriffe für die Orientierung

Neue Impulse für die pädagogische Arbeit? Eine berufliche Weiterentwicklung oder sich neue berufliche Aufgaben erschließen?

Die Idee und die Motivation sich über eine Fort- oder Weiterbildung zu informieren können vielfältig sein. Die Lust sich zu informieren ist der erste entscheidende Schritt: Danach wird es allerdings schwieriger. Entscheide ich mich für eine Fortbildung, für eine Weiterbildung oder macht evtl. sogar eine Zusatzausbildung Sinn?

Abgesehen von den Inhalten stellt sich erst einmal die Frage:

Was verbirgt sich hinter den unterschiedlichen Bezeichnungen?

Zunächst lässt sich festhalten: jede beruflich relevante Qualifikation, die nach der Erstausbildung erworben wird, kann als Fort- oder Weiterbildung bezeichnet werden. Die beiden Begrifflichkeiten „Fortbildung“ und „Weiterbildung“ werden auch umgangssprachlich häufig synonym benutzt. Dazu kommt, dass eine einheitliche Verwendung und eine durchgehende, klare Abgrenzung, sowohl in der Fachliteratur als auch bei den Angeboten, fehlen. Das erschwert die Orientierung auf dem vielfältigen Markt der Fort- und Weiterbildungsanbieter.

Um sich im undurchsichtigen Dschungel der Fort- und Weiterbildung zu Recht zu finden, ist es gut zu wissen, welche Formen der berufsbegleitenden Bildung es gibt und worin sie sich unterscheiden.

Klar festgelegt: Die Fortbildung

Fortbildungen sind Fortsetzungen und Vertiefungen der fachlichen Ausbildung in Form von Anpassungs- oder Aufstiegsfortbildungen. Vier Charakteristika können unterschieden werden: Es handelt sich um eine Fortbildung, wenn die vorhandenen Kenntnisse erhalten, angepasst oder erweitert werden. Auch den beruflichen Aufstieg kann eine Fortbildung sichern. Diese vier Bereiche sind im Berufsbildungsgesetz festgelegt. Normalerweise sind es Veranstaltungen von einem bis hin zu mehreren Tagen, die zusammenhängend organisiert sind.

Wie viele Tage bzw. wie viel Budget der Träger jedem pädagogischen Mitarbeiter im Jahr für eine Fort- oder Weiterbildung zur Verfügung stellt, ist vertraglich festgelegt.

Weiterbildung als Perspektive

Weiterbildungen haben eher den Zweck sich neue berufliche Felder innerhalb des eigenen Berufes zu erschließen, sich in einen Beruf einzuarbeiten oder sich neu zu orientieren. Meist erstrecken sie sich über einen Zeitraum von mehreren Monaten bis hin zu Jahren und schließen mit einem Zertifikat ab. Der Fokus liegt hierbei auf dem Erwerb von Qualifikationen, die aufbauend auf dem Vorwissen vertieft bzw. erweitert werden. Weiterbildungen können viele Formen annehmen: Neben dem klassischen Seminarkonzept, oft in Modulform abgehalten, zählen hierzu auch Formen wie das Weiterbildungsstudium.

Berufliche Weiterbildungen sind übrigens förderungsfähig und werden je nach individueller Situation beispielsweise vom Jobcenter oder vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (u. a.) finanziell unterstützt.

Fachpädagoge

Mittlerweile hat sich im pädagogischen Kontext eine besondere Art des Zertifikats nach Abschluss einer Weiterbildung etabliert: Der sogenannte Fachpädagoge. Träger wie z. B. „Caritas“ bieten 20 verschiedenen „Fachpädagogen“-Weiterbildungen an. Häufig sind diese Weiterbildungen in Modulen organisiert und schließen mit einem Abschlussprojekt oder einer Prüfung ab. Bei erfolgreicher Teilnahme erhält man ein Zertifikat mit dem Zusatz „Fachpädagoge für …“ oder „Pädagogische Fachkraft für…“

Wichtig hier: Die Bezeichnung „Fachpädagoge“ ist keine geschützte Bezeichnung und darf von jedem angeboten werden. Dahinter verbirgt sich also nicht etwa ein Standard bzw. eine Qualitätsgarantie für die Inhalte und die Gestaltung der Weiterbildung.

Zusatzausbildung

Eine Zusatzausbildung erweitert die Qualifikationen über den regulären Berufs- bzw. Studienabschluss hinaus. Sie baut aber grundsätzlich auf dem ersten Berufsabschluss auf. In vielen Fällen sind Zusatzausbildungen ähnlich gestaltet wie Weiterbildungen, doch man erwirbt durch die Teilnahme einen zusätzlichen Berufsabschluss z. B. bei der Zusatzausbildung „Heilpädagogik“. Aber auch Zusatzqualifikationen, die nicht spezifisch einem Berufsbild zugeordnet werden können, können über diese Art der Ausbildung erworben werden z. B. die Zusatzausbildung zum Mehrsprachigkeitsberater. Die Zulassungen zu dieser Form der berufsbegleitenden Bildung sind (eher) an Voraussetzungen gebunden z. B. einen speziellen Berufsabschluss oder mehrjährige Berufserfahrung, bzw. eine bestimmte aktuelle Tätigkeit.

Zusammenfassend heißt das:

Die Fort- und Weiterbildungslandschaft ist vielfältig und häufig unübersichtlich. Deshalb ist es für eine Orientierung wichtig zu wissen, welche Unterschiede es gibt:

Die Fortbildungen sind im Berufsbildungsgesetz klar in 4 Teilaspekte unterteilt

  1. Erweiternde Fortbildung
  2. Anpassende Fortbildung
  3. Erhaltende Fortbildung
  4. Aufstiegsfortbildung

Wohingegen die Art und Weise einer Weiterbildung vielfältige Formen annehmen kann (z.B. Fernstudium, Abendschule, usw.)

Auch die Dauer unterscheidet eine Fortbildung von einer Weiterbildung. Fortbildungen sind eher auf wenige Tage beschränkt, wohingegen Weiterbildungen einen Zeitraum von Monaten oder Jahren umfassen können.

Zusatzausbildungen führen hingegen nicht nur zu erweiterten Qualifikationen, sondern ggf. auch zu einem weiteren Berufsabschluss.

Ein gutes hat diese Vielfalt in jedem Fall: Die Chancen stehen gut, eine Form der berufsbegleitenden Weiterbildung zu finden, die der individuellen Situation entspricht!

Erzählt uns von Euren Erfahrungen: Wie waren die Fort- und Weiterbildungen gestaltet, an denen Ihr bisher teilgenommen habt? Hinterlasst ein Kommentar – ich freu mich von Euch zu hören!

2 Kommentare

  1. Vielen Dank für den tollen Beitrag! Jetzt hat man mal den Überblick. Mir war gar nicht klar, dass es so viele verschiedene Formen von Fortbildungsmöglichkeiten gibt. Gibt es denn vllt. auch eine empfehlenswerte Internetseite zu Fort- und Weiterbildungsangeboten für Pädagogen der frühen Kindheit?

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