Wie erkenne ich gute Fort- oder Weiterbildungsangebote?

Der Markt der Fort- und Weiterbildung ist erstaunlich groß. Zu jedem Thema gibt es gleich mehrere Angebote, die theoretisch erreichbar sind und ähnliche Kosten erfordern. Für welches Angebot aber entscheide ich mich?

Für Fort- oder Weiterbildung haben wir in der Regel ein bestimmtes Budget und ein bestimmtes Zeitkontingent. Man kann also sagen, jeder der sich für eine Fort- oder Weiterbildung entscheidet investiert Geld und Zeit. Und wenn die Veranstaltung keinen Neuheitswert hat und langweilig ist, hat man gleich doppelt investiert (Zeit und Geld) und wenig dafür bekommen. Das hat mich dazu gebracht, genauer hinzuschauen, für welches Angebot ich mich entscheide.

Natürlich kann man dazu anmerken:

Jeder Erfahrungsaustausch und alle Inhalte von Fort- oder Weiterbildungen bringen uns weiter. Auch wenn es kaum neue Inhalte sind, so dienen bekannte Themen schließlich der Vertiefung.

Ja, da kann ich zustimmen – aber über kurz oder lang ist es für die Motivation nicht besonders förderlich schlechte, unterfordernde oder langweilige Fort- oder Weiterbildung zu besuchen.

Daher möchte ich Euch heute verschiedene Orientierungspunkte vorstellen, die sich für mich als hilfreich herausgestellt haben.

Der Entscheidungsprozess

Im Entscheidungsprozess stellen sich folgende Fragen: Welche Entscheidungskriterien lege ich für die Auswahl an? Was spricht für ein qualitatives Angebot?

Ich verstehe unter qualitativen Fort- und Weiterbildungsangeboten

  • fachlich fundierte,
  • praxisrelevante,
  • an der Zielgruppe orientierte,
  • interessant und abwechslungsreich gestaltete Angebote.

Diese Punkte haben sich für mich in den letzten 5 Jahren und in zahlreichen Fortbildungen herauskristallisiert.

Der Entscheidungsprozess kann ganz gut in zwei Schritte unterteilt werden.

Als erstes gibt es Entscheidungskriterien, die mehr oder weniger feststehen und nach denen eine Vorauswahl getroffen werden kann. Das sind: Zeit, Geld und das Thema.

Dadurch fällt das ein oder andere Angebot schon einmal weg. Jetzt kann in einem zweiten Schritt vor allem inhaltlich ausgewählt werden.

Folgende Punkte finde ich dabei besonders wichtig:

Die Ausschreibung:

Eine Ausschreibung ist das Aushängeschild einer Fort- oder Weiterbildung – sozusagen das Werbebanner und sie gibt uns wertvolle Informationen.

In der Ausschreibung finden sich häufig schon Hinweise auf das erste Kriterium für ein qualitatives Angebot: Die fachliche Fundierung. Ist diese im Ausschreibungstext z.B. durch das Heranziehen von Konzepte, Theorien, pädagogische Strömungen/Orientierungen oder Bildungs- und Orientierungspläne erkennbar?

Die Art und Weise der Ausschreibung gibt außerdem Aufschluss auf die dahinterliegende Konzipierung dieser Veranstaltung.

Ein Zeichen für ein gut durchdachtes Angebot ist die sogenannte Kompetenzorientierung (ab 2017 müssen übrigens alle Ausschreibungen kompetenzorientiert sein).

„Eine kompetenzorientierte Weiterbildung setzt voraus, dass die Weiterbildnerinnen und Weiterbildner an den vorhandenen Kompetenzen der Teilnehmenden ansetzen und darauf aufbauend die Veranstaltung konzipieren und durchführen. Die Kompetenzentwicklung der Teilnehmenden im Weiterbildungsverlauf steht im Fokus.“ (vgl. Deutsches Jugendinstitut/Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte 2014, S. 82).

Mehr zur Kompetenzorientierung in der Fort- und Weiterbildung gibt es hier.

Eine Kompetenzorientierung zeigt sich z.B. in der Formulierung von Zielen oder Kompetenzen, die Teilnehmer bei der Fort- oder Weiterbildung erwerben. Ist dies in der Ausschreibung enthalten?

Die Referenten

Aus zwei Gründen ist es lohnenswert sich anzuschauen wer der/die Referent/en sind.

Zum einen sind der Berufsabschluss, Zusatzausbildungen, Qualifikationen oder Veröffentlichungen wichtige Informationen und auf jeden Fall ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines Angebots. Anhand dieser Angaben können wir nämlich sehen, dass nicht einfach „irgendwer“ als Referent eingesetzt wird (Fortbildungsreferent ist keine geschützte Berufsbezeichnung und so gut wieder jeder kann sich so nennen), sondern ein ausgewiesener Experte des Themas.

Häufig steht und fällt ein Thema mit der Person, die es präsentiert (erinnert euch an die Schule oder das Studium).

Wenn du den Referenten nicht kennst oder keine weiteren Informationen angegeben sind, ist es eine gute Idee, die Person bei Google zu suchen. Oder aber Du fragst den Veranstalter und bittest um weitere Informationen.

Der Orientierungspunkt „Referent“ kann aber noch weitere Informationen liefern.

Es kann z.B. interessant sein zu schauen, ob sehr unterschiedliche Themen immer mit ein und demselben Referenten besetzt sind.

Ich „stolpere“ darüber, wenn eine Person eine enorme Bandbreite an Themen abdeckt. Natürlich ist es nicht abwegig, dass dieser Referenten tatsächlich thematisch sehr breit aufgestellt ist. Ich glaube allerdings, wenn jemand beispielsweise Wald- und Naturpädagogik, Gender, Partizipation, Trauma, Hortpädagogik und Zusammenarbeit mit Familien anbietet, lohnt es sich genauer hinzuschauen – im besten Fall ist es eine sehr vielseitige und interessante Person von der man viele Impulse erhalten kann. Oder aber man stellt fest: der Expertenstatus für mein ausgewähltes Thema bestätigt sich nicht oder reicht mir nicht aus.

Der Aufbau

Besonders bei mehrtägigen Veranstaltungen oder bei Weiterbildungen über einen längeren Zeitraum (zur begrifflichen Unterscheidung) gibt die Strukturierung Hinweise auf das Konzept der Fort- oder Weiterbildung.

  • Sind Grundlagenmodule oder Bausteine enthalten?
  • Bauen die Module aufeinander auf oder wirken sie zusammenhangslos?
  • Zeichnet sich eine Mischung aus fachlicher Aufbereitung und Praxistransfer (z.B. durch Fallbeispiele, Filmausschnitte u.a.) ab?

Speziell bei Weiterbildungen:

Der Umfang

Eine Qualifizierung, die mit einem Zertifikat abschließt und lediglich 5 Tage umfasst klingt erstmal verlockend, sollte aber auf jeden Fall genauer angeschaut werden.

Ein gewisses Maß an Inhalten muss einfach gewährleistet sein, ansonsten investiert man Zeit und Geld und kommt mit einem Zertifikat in der Hand zurück ohne tiefgehend mit den Inhalten gearbeitete, diese reflektiert und erprobt zu haben.

Eine Weiterbildung, ein Fachpädagoge oder eine Qualifizierung ist aber gerade dafür da, sich auch beruflich neue Möglichkeiten zu eröffnen. Neue Inhalte und die Auseinandersetzung damit, die eine berufliche Weiterentwicklung anstoßen, ob persönlich oder pädagogisch, brauchen Zeit.

Der Austausch spielt hier eine wichtige Rolle. Ich würde daher beispielsweise bevorzugen, mich an 6 Wochenenden/Tagen/Blöcken zur Weiterbildung einzufinden, als alles in einem Block abzuarbeiten.

Die Tiefe bekommt ein bestimmtes Thema dadurch, dass ich es selbst in der Praxis erprobe, kleine Erfolge erlebt, Hürden und Schwierigkeiten sichtbar werden und gemeinsam gelöst werden. Dabei kann ich sowohl von der Möglichkeit profitieren, meine Erfahrungen mitzuteilen und mir ein Feedback dazu einzuholen aber auch an den Erfahrungen der anderen Teilnehmer teilzuhaben und dadurch einen breiten Erfahrungsschatz zu bekommen.

Das Abschlussprojekt

Ein schriftliches und praktisches Abschlussprojekt ist ein guter Indikator für eine durchdachte und geplante Weiterbildung. Denn für die Referenten ist dies eine aufwendige Sache: Abschlussarbeiten müssen gelesen, Projekte analysiert und reflektiert werden. Manchmal wird sogar ein Besuch in der Einrichtung eingeplant. Es zeigt aber auch: Der Erfolg für die Teilnehmer ist bei diesem Angebot sehr wichtig!

Fazit

Abschließend muss natürlich gesagt werden, dass diese Punkte allein noch keine Garanten für eine gute Fort- oder Weiterbildung sind.

Die Faktoren, deren Einfluss maßgeblich am subjektiven Erfolgserlebnis beteiligt ist, sind einfach zu vielfältig und bedingen sich gegenseitig. Schließlich sind wir alle Individuen, in unterschiedlichen Situationen, mit unterschiedlichen Wissensständen, Erwartungen, Hintergründen, Lernmechanismen usw.

Aber die oben genannten Punkten geben zumindest wichtige Informationen und können eine wertvolle Hilfestellung sein um zu prüfen: Passt der Rahmen dieser Fortbildung (Aufbau, Konzept, Referent, Umfang) zu dem was ich mir bei diesem Thema wünsche?

Zusammenfassend lässt sich sagen: Eine „gute“ Fortbildung erkennt man vor allem an den Inhalten und den Referenten. Kosten und Entfernung bzw. Zeitaufwand sollten nicht die einzigen und ausschlaggebenden Kriterien sein – auch nicht bei Trägern oder Stellen, die Fort- und Weiterbildungen genehmigen.

Eine Auswahl, die sich auf Inhalte, auf ausgewiesene Referenten oder einen besonderen Aufbau mit Praxistransfer fokussiert, kann auch als Argumentationsgrundlage herangezogen werden um die Entscheidung für diese Fortbildung oder Weiterbildung zu begründen.

Auf was achtet Ihr besonders bei der Auswahl von Fort- oder Weiterbildungen? Ich bin gespannt!

Literatur: Deutsches Jugendinstitut/Weiterbildungsinitiative Frühpädagogische Fachkräfte (Hrsg.) (2014): Kompetenzorientierte Gestaltung von Weiterbildung. Grundlagen für die Frühpädagogik. WiFF Wegweiser Weiterbildung, Band 7. München

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