Wir sind keine „studierten Erzieher*innen“

Kindheitspädagog*innen als eigene Berufsgruppe wahrnehmen und repräsentieren.

Heute möchte ich über ein Thema schreiben, welches mir wirklich sehr am Herzen liegt und mit dem ich mich gedanklich viel beschäftigt habe:

Warum wir als Kindheitspädagog*innen keine „studierten Erzieher*innen“ sind. Warum es niemanden gerecht wird, wenn sich dieses Bild durchsetzt und warum es an Uns ist, etwas zu tun! 

Der Satz: „Kindheitspädagogik: Hört sich ja interessant an. Und was macht man damit? Ist man dann studierte Erzieherin“ habe ich wirklich viele Male gehört.

Nein.

Wir sind Kindheitspädagog*innen. Wir sind nicht irgendwie Erzieher*innen oder Sozialpädagog*innen mit Spezialisierung frühe Kindheit oder eine Mischung aus Erzieher*in und Sozialpädagog*in.

Einfach Kindheitspädagog*in.

Erste Schritte

Ich kann verstehen, dass es viele Bereiche gibt, in die das Berufsbild der Kindheitspädagog*innen noch vordringen muss. Ich komme immer wieder selbst in Kontexte, in denen ich die einzige, ja manchmal auch die erste Kindheitspädagogin, bin.

Und ehrlich gesagt: Ich bin es zwar irgendwie leid, dass kaum jemand weiß, was genau man mit meinem Beruf macht (besonders in Bayern scheint mir das häufiger zu passieren) aber ich freue mich auch, wenn ich auf Menschen treffe, die es interessiert und die nachfragen.

Was ich auch einmal positiv an dieser Stelle erwähnen möchte: Es gibt immer mehr Stellenausschreibungen für Kindheitspädagog*innen, wie ich feststellte, als ich bei der Jobbörse der Arbeitsagentur nach Stellen gesucht habe.

Was ich allerdings vermisse sind zwei Dinge:

  1. Eine klare Abgrenzung der Stellen zwischen Erzieher*innen und Kindheitspädagog*innen in der Kindertageseinrichtung

Liebe Kolleg*in Erzieher*in: Ihr macht eine super Arbeit. Ihr habt für Euren Abschluss viel getan, denn Eure Ausbildung dauert zwischen 3 und 5 Jahren und in der Regel habt Ihr in der Zeit nicht wirklich etwas verdient aber zeitweise Vollzeit gearbeitet. Ihr musstet ein Anerkennungsjahr absolvieren und verschiedenste Praktika. Ich finde Ihr seid gut ausgebildet und vorbereitet!

Wir haben ein Studium absolviert, welches immer noch sehr unterschiedlich gestaltet ist an den verschiedenen Standorten in Deutschland. Festhalten lässt sich trotzdem: Für ein Hochschulstudium haben wir vergleichsweise (und zwar im Vergleich zu anderen Studiengängen und nicht zur Erzieherausbildung) viel Praxiserfahrung!

Und ja, uns fehlt es trotzdem an elementaren Erfahrungen, wie Morgenkreis gestalten, Wickeln, Elterngesprächen führen usw. – das sind alles Punkte, die können uns in den Praxisphasen eines Studiums begegnen, müssen sie aber nicht. Es sind aber ganz zentrale Kompetenzen um im Gruppendienst in einer Kindertageseinrichtung zu bestehen.

Wenn wir uns als Kindheitspädagog*innen auf Erzieherstellen bewerben, kommen wir mit viel Wissen aber wenig(er) handlungspraktischer Kompetenz – und manchmal wollen wir dafür auch noch mehr Geld.

Denkt daran: Das hat immer auch eine Signalwirkung in Richtung unserer Kolleg*innen des Berufsstandes Erzieher*in.

Geht uns durch das Fehlen der Stellen für Kindheitspädagog*innen in Kindertageseinrichtungen nicht die Wertschätzung gegenüber beiden Berufsgruppen, Erzieher*innen und Kindheitspädagog*innen, verloren?

Deshalb finde ich es eben keine gute Idee, dass Kindheitspädagog*innen sich auf Erzieherstellen in Kindertageseinrichtungen bewerben (müssen).

Der Vorschlag  

Für jede Berufsgruppe die Stellen schaffen, an denen sie ihre spezifischen Kompetenzen entfalten können!

Ich finde es braucht Stellen für Kindheitspädagog*innen in Kindertageseinrichtungen auf Grundlage eines klaren Berufsprofil und mit Aufgabenbereichen, die der spezifischen Ausbildung der Kindheitspädagog*innen gerecht werden.

Die dadurch entstehenden spezifischen Aufgaben eben dieser Stelle und eine damit einhergehende größere Verantwortung in bestimmten Bereichen müsste dann auch anderes bezahlt werden, bzw. die Einstufung eine andere sein.

Als Beispiel könnte ich mir eine Stelle  vorstellen mit ca. 75% im Gruppendienst und 25% Freistellung:

  • für Netzwerkaufgaben
  • für Transferaufgaben zusammen mit der Leitung im Bereich
    • Elternbefragungen,
    • Qualitätsentwicklung
    • usw.

Oder aber eine Stelle mit einer gewissen Freistellung für organisatorische Arbeiten in Bezug auf die Gruppe in der die Kindheitspädagog*in arbeitet z. B. Gruppenpersonalpläne usw. (besser bekannt als Gruppenleitung).

  1. Wir brauchen selbstbewusste, engagierte Kindheitspädagog*innen!

Tut mir leid liebe Kolleg*innen: Da geht doch noch was, oder?

Alle engagierten Personen: Bitte diesen Teil nicht auf Euch beziehen und gerne überlesen oder aber kräftig nickend zustimmen.

Alle die jetzt wissen, dass Sie damit gemeint sind: Nehmt es Euch zu Herzen – Wir brauchen Euch!

Ja, im Studium wurde vielen von uns gesagt, dass Kindertageseinrichtung nicht die einzige Option ist. Und ich weiß auch, dass es (für einige) frustrierend sein kann festzustellt, nicht wirklich um eine Zeit in einer Kindertagesstätte herum zu kommen. Dort trifft man auf Kolleg*innen, die vielleicht häufiger sehen was wir im Studium nicht gelernt haben, als dass, was wir gut können, auf Träger, die uns nicht als Kindheitspädagog*innen einstufen können (wollen), da die Stelle als Erzieher*in ausgeschrieben ist, usw.

Hat man uns nicht gesagt, dass es auch anders sein kann? Das wir sehr gefragte Fachkräfte sein werden, wenn wir das Studium abschließen?

Ja, das stimmt.

Wir sollten aber auch daran denken, dass das alles nicht von alleine kommt.

Wir haben uns für einen Beruf entschieden, in dem sehr viel möglich ist. Dies müssen wir uns aber erst erstreiten. Wir müssen laut sein, und zusammenkommen. Wir müssen gemeinsam reden und arbeiten. Wir müssen ein Selbstbewusstsein entwickeln und ein Profil mit Stärken und Vorteilen unserer Profession. Und vor allem: Wir müssen dieses auch repräsentieren und uns beweisen.

Lasst uns doch gleich damit anfangen:

Meine Idee: Jeder von Euch nimmt sich für das nächste Semester/nächste halbe Jahr mindestens einen Punkt aus der folgenden Liste vor und setzt Ihn wirklich um.

Was meint Ihr? Okay? Super.

Also:

Was meinst Du? Gemeinsam geht’s leichter oder?

4 Kommentare

  1. Hallo,

    sehr interessanter Artikel. Ich studiere aktuell Kindheitspädagogik, B.A. und bin staatlich anerkannte Erzieherin. Ich finde die Abgrenzung selbst immer wieder sehr schwierig. Da ich bis auf empirisches forschen bisher nichts im Studium gelernt habe (komme jetzt in 5. Semester), was nicht auch Thema in der Ausbildung war. Also sowas wie Netzwerkarbeit, QM, Konzeptarbeit sind normale Aufgaben von ErzieherInnen, wofür nur häufig die zeit fehlt. Weswegen ich dein 25/75 % Modell super finde, aber eben auch für ErzieherInnen.

  2. Und wie soll man beratend oder für Qualitätsentwicklung, wenn man in der zugrunde liegenden Tätigkeit nie gearbeitet und Erfahrungen gesammelt hat?

    1. Hallo Lilly, ich denke irgendwann ist immer das erste Mal wenn man eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen hat. So ist es ja auch in jedem anderen Bereich. Wichtig ist natürlich, dass diese Punkte Teil des Studiums sind und dort vermittelt wurden. Im besten Fall haben Kindheitspädagog*innen bereis ein Praktikum in diesem Bereich absolviert und im neuen Beruf gehen die Erfahrungen Hand in Hand.
      Es ist auch eher als Beispiel zu sehen und die zu Grunde liegende Aussage geht dahin, dass ich denke, für mehr Gehalt bedarf es mehr als den Grund, ein Studium absolviert zu haben – wir sollten dann auch zeigen was wir können :)

  3. Und mir wäre noch wichtig zu erwähnen, dass es auch berufsbegleitende KindheitspädagogInnen gibt, die größtenteils schon eine ErzieherInnen-Ausbildung und viele Jahre Berufaerfahrubg haben. Voraussetzung ist auch Berufserfahrung.

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